Toskana (1)


Der Frühherbst ist eine ideale Zeit für die Toskana: Es ist nicht mehr ganz so heiß wie im Sommer, aber noch warm genug zum Baden. Nur vor gelegentlichen Regenschauern muss man sich in Acht nehmen.

Reisezeit: 14 Tage, Anfang September 2004

Strecke: ca. 2.940 km, davon ca. 1.350 km in der Toskana


Anfahrt 

Route: Livorno - Pisa - Bientina (58 km); Bientina - Caprona - Bientina (33 km)

Da wir es kaum erwarten konnten in's sonnige Italien zu gelangen, kürzten wir die ca. 1350 km zeitlich ab, indem wir die Moppeds und uns selbst zunächst der Deutschen Bahn anvertrauten. Der Zug nach Livorno fährt immer freitags und so war der Reisetag festgelegt.
Am Sonnabend erwartete uns in Ligurien ein eindrucksvoller Sonnenaufgang. Trotz aller Unkenrufe (einschließlich derer vom Zugbegleiter-Team) erreichte der Zug den Bahnhof von Livorno sehr pünktlich. Im Gegensatz zu den Reisenden nach Korsika und Elba hatten wir viel Zeit und konnten erst mal mit unserer ersten Portion original italienischer Pasta beginnen.
Ligurischer Sonnenaufgang
Ligurischer Sonnenaufgang
Familienausflug
Familienausflug
Schwieriger war es hingegen in Pisa ein geeignetes Quartier aufzutreiben. Der September gehört durchaus noch zur Urlaubs-Saison und das Preis-Leistungs-Verhältnis lässt vielerorts zu wünschen übrig.
Fündig wurden wir dann etwas abseits vom Stadtgetümmel. Die Zimmer hatten zwar keine Fenster, aber bei 40°C im Schatten vermissten wir diese auch nicht. Frisch geduscht gab es leider trotzdem kein Bier, weil in dem Familienbetrieb hektisch Vorbereitungen für ein großes Fest getroffen wurden und außer den spinnerten Tedesci ohnehin niemand am Nachmittag arbeitet.
Wir allerdings auch nicht. Aber wir wollten unseren Feuerstühlen dennoch etwas Auslauf gönnen. Auf dem Weg nach Bientina fiel uns ein malerischer Steinbruch in einem Ort namens Caprona (kein Witz!) auf. Abgesehen von einer Wiese voller Schnecken beeindruckte uns der Fraß am Berg, der anscheinend nur durch eine Kapelle, die sich immer näher am Steilhang findet, gestoppt wird.
Ein anschließender Ausflug in die Olivenhaine von Calci hätten wir uns allerdings sparen können. Dort wurden uns nur die Grenzen unserer weniger geländetauglichen Maschinen gezeigt.


Lucca & Pisa

Route: Bientina - Lucca - San Giuliano Terme - Pisa - Castelmaggiore - Bientina (100 km)

Bevor wir uns ins Herz der Toskana begeben, wollen wir uns noch zwei kulturträchtige Städtchen gönnen. Zunächst geht es nach Lucca, die uns mit prächtiger Baukunst verwöhnt. In der Renaissance lebten hier reiche Kaufleute und die zeigten ihren Reichtum nicht zuletzt durch großzügige Spenden beim Kirchenbau. Aber ach: Die weltweite Verschwörung der Profi-Fotografen zeigt auch hier ihren Einfluss. Der Dom ist mit reichlich Baugerüsten und -planen verhangen. Dieser Anblick wird uns noch häufiger begegnen. :(
Stattdessen setzen wir uns in ein Café am Domplatz und genießen einen Cappuccino bzw. Tee. Der feine Wassernebel, der zugunsten der Topfpflanzen versprüht wird, erfrischt auch die Gäste, die bei Mittagstemperaturen von deutlich über 30°C schon beim Kaffeetrinken ordentlich ins Schwitzen gekommen sind.

Lucca
Domplatz in Lucca
Schiefer Turm
Schräge Gestalt
Die nächste Station soll Pisa sein, doch zuvor gönnen wir uns noch ein paar Serpentinen bei San Giuliano Terme. Es ist Sonntag und so beeinträchtigen diverse Sonntagsfahrer das Vergnügen.
Pisa und der Campo Dei Miracoli entschädigen uns jedoch mit großartiger Baukunst. Auf dem Campo steht nicht nur der Campanile schief. Auch der Dom und alle anderen Gebäude 'leiden' unter dem sich absenkenden Boden.
In Pisa sollte man auch einen Bummel durch die Gassen zum Arno nicht auslassen. Dort findet man unter anderem die Kapelle der Santa Maria Della Spina, die zum Schutz vor Hochwasser bereits im 18. Jhd. von ihrem ursprünglichen Standplatz direkt am Arnoufer an einen etwas höher gelegenen Ort 'verlegt' wurde.
Zurück zum Quartier fahren wir durch die vermutlich schönsten Kurven der Gegend bei Castelmaggiore. Die große Anzahl weiterer Biker bestätigt diese Auffassung.


La Strada Del Vino

Route: Bientina - Pisa - Castellina Marittima - Volterra - Colle di Val D'Elsa (142 km)

In Erinnerung an die Tour durch die Bretagne entscheiden wir uns ein Quartier möglichst im Zentrum der Toskana zu suchen und von dort aus Tagestouren zu unternehmen. Dadurch können wir Wäsche tagsüber trocknen lassen und müssen nicht unser sämtliches Gepäck bei evtl. Besichtigungen unbeaufsichtigt lassen.
Zunächst geht es, entlang der Strada del Vino, in Richtung Süden. Dann biegen wir nach links auf die S68 ab, der wir in Richtung Osten folgen. Bald liegt Volterra vor, oder genauer über uns. Wir wollen aber erstmal ein Quartier suchen und entscheiden uns weiterzufahren. Nach dem Mittagessen wollen wir beginnen mögliche Gasthäuser in Augenschein zu nehmen.
Hasenbau
Tana Di Lepri
Pool
Erfrischung
Der erste Hinweis auf freie Zimmer begenet uns in Colle di Val D'Elsa. Der alte, zu Ferienwohnungen umgebaute Bauernhof lässt uns keine Wahl. Das rustikale Ambiente und vor allem der große Swimming-Pool laden unausweichlich zum Bleiben ein. Da wir außerhalb der Hauptsaison reisen, ist der Zimmerpreis (60 € für eine Wohnung für 4 Personen) für Toskana-Verhältnisse wirklich günstig.
Verpflegung bekommen wir in der Neustadt im Tal. Da wir tagsüber ohnehin unterwegs sein wollen, benötigen wir keine Vollpension. Nicht vermissen möchten wir die Möglichkeit vor dem Frühstück zu joggen oder ausgiebig zu schwimmen.


Colline Metallifere & Die Garemma

Route: Colle - Massa Marittima - Castiglione Della Pescaia - Grosseto - Monte Argentario - Grosseto - Roccastrada - Monticiano - Colle (345 km)

Unser erster Ausflug soll uns in den Süden führen. Unser Ziel ist der Monte Argentario, doch zuvor erwarten uns die Colline Metallifere, ein Höhenzug mit einer Unmenge kleiner Straßen und Kurven. Wie der Name vermuten lässt, wurde hier in der Antike Eisen abgebaut und verarbeitet. Wir entscheiden uns für eine Route über Chiusdino, die in der Nähe von Montieri mit ca. 1000 Metern Höhe ihren höchsten Punkt erreicht.
Der Name Massa Marittima täuscht: Bis zum Meer sind es bestimmt noch 40 km. Das Land wurde dem Wasser abgetrotzt. Noch im 16. Jhd. waren hier ausgedehnte Sümpfe voller Mücken. Die Malaria (deutsch: schlechte Luft) erhielt hier ihren Namen. Massa erfreut mit ihrer urtümlichen Altstadt.
Mein Reiseführer empfahl Castiglione Della Pescaia als pittoresken Fischerort. Diesen haben tausende anderer Touristen vermutlich ebenfalls gelesen. Statt eines Fischrestaurants am Hafen finden wir eine klimatisierte Pizzeria, in der es sich mindestens ebensogut speisen lässt.
Unser eigentliches Ziel liegt jetzt fast sichtbar vor uns. Leider fahren wir nicht die optimale Route und finden uns in Grosseto wieder. Städte sind im Allgemeinen nix für Moppeds, aber Kraftstoff benötigen wir ohnehin. Durch die Garemma geht es weiter Richtung Süden. Der Monte Argentario ist eine Insel, die nur durch drei Dämme mit dem Festland verbunden ist. Der Verkehr auf der Zufahrt ist erträglich, aber der Hauptort Porto S. Stéfano ist verstopft. Eine Runde auf der, die ganze Insel umspannenden, Uferstraße ist die Mühe aber wert.
Viadukt
Viadukt in der Altstadt von Massa


Das Manhattan der Toskana

Route: Colle - San Gimignano - Gambassi Terme - Castelfiorentino - Certaldo - Colle (69 km)

Elsatal
Sonnenaufgang im Elsatal
Das frühe Aufstehen zahlt sich endlich mal aus. Ein wunderschöner Sonnenaufgang im Elsatal lässt auch meine Kamera nicht länger schlafen.
Nach der obligatorischen Runde im Pool beschließen wir, dass uns heute in kürzerer Ausflug reichen soll. Dafür wollen wir uns etwas Zeit für die Besichtigung von San Gimignano lassen. Der Ort verdankt seinen scherzhaften Beinamen Manhattan der Toskana den sieben Geschlechtertürmen, die von einst über vierzig Türmen noch übrig sind. Diese Türme dienten als Vorrats- und Wehranlagen und vor allem zur Demonstration des Reichtums der Familie.
Höher als 53 Meter durfte jedoch kein Turm gebaut werden. Zur höheren Ehre Gottes setzten die 54 Meter der Turmspitze des Doms eine obere Grenze. Familien, die wirkliche Macht zeigen wollten, bauten also gleich mehrere Türme.
Twin Towers
Twin Towers
Ebenfalls empfehlenswert ist ein Rundgang auf und an der Stadtmauer. Dieser Spaziergang bietet diverse Panorama-Ansichten der Stadt und ihrer Umgebung.
Den Rückweg nach Colle weiten wir ein wenig aus. Es geht über die beiden Kurorte Gambassi Terme und Castelfiorentino letzlich auf die, an einem Wochentag reichlich frequentierte, Nationalstraße 429 über Poggibonsi zurück nach Colle.

So haben wir einen ganzen Nachmittag zum Faulenzen, Plantschen im Pool und vor allem für die Besichtigung der sehenswerten Altstadt von Colle. Diese befindet sich auf einem Felsvorsprung, von dessen Spitze sich ein herrlicher Blick ins Tal bietet. Die Felszunge bietet gerade mal Platz für vier Einbahnstraßen und allerlei verwinkelte Gassen. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.
Colle
Die Zeit steht still


Brunello-Shopping

Route: Colle - Poggibonsi - Castellina in Chianti - Montevarchi - Lucignano - Montepulciano - Montalcino - Monticiano - Colle (267 km)

Unser Reiseführer lobt besonders den Geschmack des Brunello. Besonders in Montalcino solle man ihn trinken, dies sei das Zentrum des Anbaus.
Wenn wir uns schon auf die Jagd nach Wein machen, dann können wir auch erstmal am Chianti kratzen. Über Castellina geht es ostwärts bis Montevarchi. Auch das Chianti ist ein wunderbares Motorradrevier. Montevarchi zeigt sich als typisch italienische Stadt: Die Straßen sind hoffnungslos verstopft und unübersichtlich. Wir fragen uns, weshalb sich hier überhaupt jemand mit der Dose herumquält.
Je weiter wir in Richtung Süden kommen, desto versöhnlicher wird die Landschaft. Bauernhöfe mit Zypressenalleen erzeugen in uns das Gefühl durch eine lebendige Postkarte zu reisen.
Tümer
Der Türmer von Montepulciano
Montepulciano
Romantik des Verfalls
Zur Mittagszeit erreichen wir Montepulciano.Auch hier haben die letzten 500 Jahre wenig am Stadtbild geändert. Neben ein paar schönen Fotos nehmen wir auch ein hervorragendes Stück italienischer Pasta (in unseren Mägen) auf den Weg.
Über Pienza uns San Quirico führt uns der Weg nach Montalcino. Hier staunen wir nicht schlecht, dass die Hauptattraktion keineswegs der Brunello, sondern das alljährliche Honigfest zu sein scheint.
Unterwegs Wein trinken fällt für uns Kraftfahrer flach, also genehmigen wir uns erstmal einen Espresso. Nach Weinhandlungen muss man hier nicht lange suchen. Aber die Wahl fällt schwer, zumal die Preise durchaus touristisch beeinflusst zu sein scheinen. Im Supermarkt in Colle haben wir den Brunello jedenfalls deutlich günstiger gesehen. Nach einigem Bummel durch die sehenswerte Altstadt von Montalcino entscheiden wir uns für eine Flasche Brunello und eine Flasche lokalen Landweins, der Abwechslung halber. Später stellt sich heraus, dass der Brunello ohnehin nicht meinem Geschmack entspricht. So hat am Ende jeder eine Flasche für sich.
Auf dem Rückweg nutzen wir die Gelegenheit zu einem kurzen Abstecher in die Colline Metallifere, die uns schon auf dem Weg in die Garemma so gut gefielen.


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Home-Page von Uwe Sauerland (letzte Änderung 09-jul-2005)